Die PFARREI KIRCHENLAMITZ

Geschichte

Von 1920 bis 1930 stieg die Zahl der Katholiken in Kirchenlamitz erheblich an. Damals kamen viele katholische Handwerker und Arbeiter ins Fichtelgebirge, um sich und ihren Familien dort eine neue Existenz aufzubauen. Lange Zeit mussten die Gläubigen aus Kirchenlamitz und Umgebung in den bestehenden Betsaal nach Marktleuthen kommen, um an der Eucharistiefeier teilzunehmen.

1940 kaufte der damalige Pfarrer von Marktleuthen, Johann Rösch, eine stillgelegte Töpferwerkstatt, um auch in Kirchenlamitz einen Betsaal zu errichten. Im August desselben Jahres wurde mit den Umbauarbeiten begonnen. Das Dach des neuen Betsaales erhielt einen Dachreiter, in dem eine kleine Glocke ihren Platz fand. Diese Glocke, gegossen 1737, stammte aus dem Privatbesitz von Ignaz Müller (Erbendorf-Plärnmühle). Das Bischöfliche Ordinariat Regensburg bestimmte, dass der Betsaal als Patronat den Erzengel Michael erhält.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Gläubigen dann nochmals sehr stark an – zum einen durch viele katholische Zuwanderer aus Schlesien und dem Sudetenland, zum anderen durch viele neue Gemeindemitglieder aus Spanien und Italien, die in der Porzellanindustrie arbeiteten. Deshalb wurde mit der Planungen des Kirchenbaus begonnen. Im Jahre 1953 wurde die Kirche fertiggestellt, die auch dem Erzengel Michael geweiht wurde. Die pfarrliche Betreuung übernahmen weiterhin die Priester aus Marktleuthen. Im Jahre 1960 wurde Kirchenlamitz zur Expositur, 1977 zur Pfarrkuratie und 2001 zur Pfarrei erhoben. Inzwischen ist die Pfarrei Kirchenlamitz Teil einer Pfarreiengemeinschaft und wird wieder von der Pfarrei Marktleuthen betreut.

Kirchenbau

Die Kirche St. Michael wurde vom Architekten Dr. Ing. Richard Dagostin geplant. Er entwarf einen Kirchenbau, der den Vorstellungen der 50er Jahre entsprach. Der Architekt entschied sich für die klassische Aufteilung in Chorraum und Kirchenschiff. Der Chorraum wurde als Kastenchor konstruiert, der in seiner Höhe das Kirchenschiff übersteigt. Diese Bauweise bricht mit der Tradition und schafft ein neues Raumverhältnis zum übrigen Teil der Kirche.

Der Glockenturm, der seitlich am Chor platziert ist, erhielt als Dach einen achteckigen Helm auf vier kopfstehenden Dreiecken mit einem Kreuz auf der Spitze. Er ist weit sichtbar und steht als Sinnbild des katholischen Lebens in Kirchenlamitz.

Presbyterium und Kirchenschiff

Das alles dominierende Bild des Gotteshauses ist das überragende Kruzifix an der Stirnwand des Chores. Der Christuscorpus wurde vom Bildhauer Karl Mauermann aus Weiden geschaffen. Das Kreuz ist auf ein Wandfresko gesetzt.

Die Figuren des Erzengels Michael und der Gottesmutter Maria mit Christuskind auf dem Arm, die sich rechts und links an den Seiten des "Triumphbogens" befinden, entstammen der Hand von Bildhauer Karl Bornschlegel aus Burglengenfeld. Altar, Ambo, Taufstein und Tabernakel wurden in den Granitwerken Reul AG in Niederlamitz geschaffen. Der verwendete Stein ist der einheimische Kösseine-Granit, der unweit von Wunsiedel gewonnen wird. Besonders der Taufstein ist ein Meisterwerk. In ihm sind die Symbole der vier Evangelisten eingearbeitet.

Die acht Fenster des Kirchenschiffs sind sehr aufwendig mit Glasmalereien versehen. Die Symbole stehen für Jesus Christus und die sieben Sakramente, die aus Christus hervorgehen. Die Glasarbeiten sind Werk des Kunstmalers Platzek aus Zeitlarn bei Regensburg. 

Orgel

Erbauer der Orgel ist Meister Franz Borgias-Maerz aus München. Sie wurde 1903 für die Pfarrei Meilenhofen bei Mainburg in Niederbayern gebaut; unsere Kirche erhielt das Instrument im Jahre 1968. Es handelt sich um eine pneumatische Orgel mit 7 Registern, einem Manual und Pedal.

 

 

Wochentags-Kapelle

In der ehemaligen Taufkapelle wurde im Jahre 2015 ein Raum für die Eucharistiefeiern an Werktagen eingerichtet. Die Seitenkapelle ist im Erdgeschoss des Turmes eingebettet und wurde mit einem Kreuzgradgewölbe bedacht. Das bestimmende Element ist das große Rundfenster, in dem die Kirche symbolisch als Schiff gezeigt wird, das auf dem Meer der Zeit unterwegs ist. Der barocke Altar, eine Leihgabe der ehrwürdigen Schwestern des Klarissinnen-Klosters in Dingolfing, war zuvor im Schwesternchor ihrer Hauskapelle aufgestellt. Der Tabernakelaufsatz wurde im Zuge der Neugestaltung der Kapelle angefertigt.


Glocken

Im Turm der Kirche sind drei Glocken angebracht. Die größte Glocke mit einem Gewicht von ca. 530 kg trägt die Aufschrift "Hl. Michael, verteidige uns im Kampfe" (Ton g'). Die mittlere ist ca. 290 kg schwer und wurde mit dem Schriftzug "Hl. Maria, bitte für uns" (Ton b') versehen. Die kleine Glocke wiegt ca. 200 kg. Auf ihr steht geschrieben "Hl. Josef, stehe uns bei" (Ton c'). Alle drei Glocken wurden in der Gießerei Karl Czudnochowsky im oberbayrischen Erding gefertigt.

Gedächtniskapelle

Unter der Empore befindet sich ein Ort des Erinnerns an die toten und vermissten Soldaten des Zweiten Weltkriegs. Die Gedächtnistafel wurde vom Kunstmaler Platzek gefertigt. Auf einem kleinen Altar steht die Figur "Christus in der Rast", ein Werk von Karl Mauermann.