Am 26. Juli feierten Pfarrer Mahler und Pater Innocent anlässlich des Röslauer Wiesenfestes gemeinsam einen feierlichen ökumenischen Gottesdienst. Die musikalische Gestaltung übernahm der evangelische Posaunenchor unter der Leitung von Klaus Küspert. Auch die Gemeinde brachte sich aktiv ein: Mitglieder beider Konfessionen gestalteten die Lesung und die Fürbitten mit.
Ausgehend von der Lesung aus dem Ersten Buch der Könige (1 Kön 3,5.7–12) vertiefte Pater Innocent in seiner Predigt die theologische Bedeutung von König Salomos Bitte um ein „hörendes Herz“.
Die Bitte um ein „hörendes Herz“: Wer gilt in der Bibel als weise?
Schon beim Kirchenlehrer Thomas von Aquin heißt es: „Der Mensch besitzt, insofern er sein Streben der Weisheit widmet, bereits einen Teil des wahren Glücks.“ In der Bibel verkörpert König Salomo – Sohn von König David und Bathseba – das absolute Idealbild eines weisen Menschen. Seine rund vierzigjährige Regierungszeit gilt als goldenes Zeitalter, geprägt von Frieden und wirtschaftlichem Aufschwung. Unter seiner Führung entstand der erste Tempel, Jerusalem wurde erweitert sowie befestigt und das geerbte Großreich modernisiert. Selbst im Neuen Testament steht Salomos Herrschaft noch als Sinnbild für Pracht und Wohlstand.
Im Zentrum der Lesung steht jedoch Salomos entscheidender Satz:
„Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht.“
Das Besondere an einem Weisen nach damaliger Vorstellung ist, dass er weiß: Alle weltlichen Gaben sind nur Früchte der Weisheit. Deshalb bittet Salomo weder um Macht noch um materiellen Reichtum. Seine Sorge gilt ganz seinem Volk, wie seine anschließende Frage zeigt: „Wer könnte sonst dieses mächtige Volk regieren?“
Das wirklich Herausragende und Einzigartige an dieser Bitte ist ihre tiefe Selbstlosigkeit. Salomo erbittet nichts für den eigenen Vorteil. Er wünscht sich eine Gabe, die er ganz in den Dienst anderer stellen und zum Wohl der Gemeinschaft einsetzen kann.
Ein herzliches Dankeschön gilt Maria Gottfried für die Bereitstellung der Fotografien.